Rettungshundearbeit

 

Wir sprechen Sie hier bewusst mit Du an, da es eine sehr persönliche Entscheidung ist, ob Sie sich tatsächlich für die Rettungshundearbeit entscheiden, oder doch lieber nicht. Daher hier mal ein paar Gedanken zusammengefasst, um was es bei unserer Arbeit eigentlich geht?

 

Gedanken und Eindrücke eines Mitgliedes:

Du möchtest mit Deinem  Hund Rettungshundearbeit machen? Warum? Weil es toll ist? Man Spaß hat? Damit der Hund etwas zu tun hat? Weil du zu Hause Langeweile hast?

Ja, man hat viel Spaß. Ja, es ist toll! Man lernt bestimmt auch nette Leute kennen, arbeitet mit seinem und anderen Hunden, baut ein wundervolles Vertrauensverhältnis zu seinem Vierbeiner auf und so mancher geht in dieser Ausbildung voll und ganz auf. Man kreiert den Katastrophenfall, legt Geruchsspuren und trainiert immer so, als ob tatsächlich jemand vermisst ist und es ggf. um Leben und Tod geht; unter anderem kann das "Üben" auch sehr anstrengend sein, doch wenn Dich der Hund dann findet, Du seine Freude siehst, dass er für seine Arbeit gleich seine Belohnung bekommt, dann hat man schnell vergessen, dass es ein langer Weg bis dahin schon mal war.

Mal ehrlich, Rettungshundearbeit ist nicht immer nur Spaß, besonders dann nicht, wenn man auf das Bestehen von Prüfungsordnungen hinarbeitet und in einer Staffel Mitglied ist, die sich zur Aufgabe gestellt hat, HELFEN,  SUCHEN und FINDEN. Hier müssen unserem Selbstverständnis nach auch ganz andere Arten der Arbeit geleistet werden. Hier zählt das Leben des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen; vor dem Verschwinden und danach.

 

Es gibt auch Rettungshundesport, wenn Du nicht wirklich in den Einsatz gehen willst, sondern nur für Dich und deinen Hund eine Beschäftigung suchst, solltest Du Dich daran halten.

Man hat aber oft die Möglichkeit, eine Probezeit bei der Staffel Deiner Wahl abzuleisten, sieh Dir die Rettungshundestaffel genau an. Bleibe eine Weile dabei und dann sei wirklich ehrlich zu Dir und auch der Staffel gegenüber. Denn die Staffel steckt sehr viel Zeit, Energie und auch viel Geld in die Ausbildung von Dir und Deinem Hund. Und es ist wirklich schade, wenn jemand dann nach einiger Zeit keine Lust mehr hat oder merkt, daß das doch nicht das Wahre ist. Es ist wirklich nicht schön, wenn Dein einziger Anreiz zur Rettungshundearbeit der Mangel an anderen Beschäftigungsmöglichkeiten in Deiner Umgebung ist. Im Rahmen der Ausbildung für Dich und Deinen Hund und für unsere Staffel wirst du viele viele Kilometer mit dem Auto fahren müssen. Und das nicht nur zum Training, sondern auch zu Prüfungen, Einsätzen, Lehrgängen, Vorführungen und anderen Terminen. Und da kommen einige tausend Kilometer im Jahr zusammen, wenn man sich einsatzfähig halten möchte oder muss! Der finanzielle Aspekt ist nicht aus den Augen zu verlieren. Die Rettungshundestaffel Enzkreis e.V. ist eine freie Staffel und es sind von allen aktiven Mitglied auch Kosten während der Ausbildung selbst zu erbringen; ganz abgesehen, von der privaten Anschaffung Einsatzkleidung und Einsatzhilfsmittel.

 

 

Man darf niemals vergessen, daß der Theorieunterricht nicht nur "cool" ist sondern auch absolute Bedingung. Auch Du als Hundeführer musst sehr viel lernen: Funken im BOS-Bereich, Karte- Kompass, Einsatztaktik, Erste Hilfe am Hund und Menschen und noch so einige Dinge stehen auf unserem absoluten Pflichtprogramm. Das Alles gehört dazu, ein guter Rettungshundeführer zu werden und anschließend auch nachhaltig zu sein und zu bleiben.

Und Du findest es toll, einen Rettungshund zu führen, "schicke" Einsatzkleidung zu tragen, wegen der Du von den Nachbarn schon mal angesprochen wird? Nun, bedenke eines: Der Führer eines einsatzfähigen Rettungshundes sollte immer auf Abruf stehen.

Du besitzt ein Handy, nimmst es sogar mit ins Bett und überall sonst mit hin, denn es könnte beim Klingeln etwas Wichtiges sein. Manchmal musst Du Deine Freunde mitten beim lang geplanten Kaffeekränzchen sitzen lassen, den schönen Kuchen mit bedauerndem Blick auf dem Teller zurück lassen, weil selbiges Handy Dich zum Einsatz ruft. Und Du plagst Dich im regennassen Wald mühsam durchs Unterholz, kämpfst mit Brombeerranken, tiefen Pfützen, verfluchst deine Nachlässigkeit, weil Du wieder mal vergessen hast, die wasserdichten Schuhe anzuziehen, während die vermisste Person ggf. in irgendeiner Kneipe sitzt und sich den Frust herunter spült. Für Einsätze bekommt man keine Medaillen oder Auszeichnungen, kein Geld und meistens nicht mal ein Danke dafür, dass Du Deine entgeisterte Familie am festlich gedeckten Weihnachtstisch hast sitzen lassen, Deine eigene Geburtstagsparty ohne Dich stattfindet oder Deine Kinder Dir vielleicht das eigentlich gemeinsame Abendessen noch flugs in irgendwelche Behälter packen, weil man ja auf dem Weg zum Einsatzort noch schnell was essen könnte. In vielen Fällen findet man in dem zugeteilten Suchgebiet niemanden, weil die Person in einem Zug nach irgendwo sitzt oder schon längst wieder zu Hause, man hat bloß vergessen, Euch Bescheid zu sagen. Oder Du suchst des Nachts eine selbstmordgefährdete Person, quälst dich durch den Wald, weil Du vorher schlaftrunken die Treppe runtergefallen bist, machst dir auf dem nahegelegenen Friedhof vor Angst fast in die Hosen, obwohl Du genau weißt oder glaubst zu wissen, es gibt keine Geister oder auferstandene Tote gibt. Währenddessen klingelt die Polizei immer wieder an der Haustür, um zu schauen, ob jemand daheim ist. Als ob ein Mensch, der nicht gefunden werden will, die Tür aufmacht.... über die Sinnhaftigkeit der anderen, die für einen solchen Einsatz noch zuständig sind, hast Du stets zu schweigen, nichts dazu zu sagen und Dir Deinen Teil zu denken.

 

 

Aber dennoch: Unserer Staffel gegenüber wäre es sehr unfair, die Ausbildung zu machen und dann doch nicht für Einsätze zur Verfügung zu stehen. Und darum sollte Deine gesamte Familie hinter Deiner Entscheidung stehen, denn wie oft fällt das gemeinsame Sonntagsfrühstück aus, weil mal wieder jemand von der Party vorige Nacht nicht nach Hause gekommen ist.

Aber eines solltest Du bedenken, nämlich, dass es gerade Du sein kannst, der doch mal eine vermisste Person findet oder der eine potentielles Verschwinden verhindenrn oder aufhalten kann. Und die Leute, die gefunden werden, sind häufig leider bereits tot. Und dieses solltest du niemals vergessen.

 

Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob Du Diese Art von Arbeit als Freizeitgestaltung beginnen möchtest; überlege es Dir gut.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
{{custom_footer}}